Papiere für Reiche: Aufenthaltsgenehmigungen zu verkaufen

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Ausländer, die in Spanien eine Immobilie im Wert von mindestens 160.000 Euro kaufen, sollen dafür eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.  Die Idee wurde in den Büros der Bauträger und Makler entwickelt und quasi als Hilfeschrei per Lobby-Express der Regierung zugeleitet.  Man setzt vor allem auf die Russen, die einen sicheren Zufluchtsort für ihr Geld suchen.  Jetzt ist die Debatte serviert und löst reichlich Polemik aus: Das Konzept „Papiere nur für Reiche“ klingt kapitalistisch logisch.

In Spanien gibt es derzeit mehr als 800.000 Wohnungen, die keine Käufer finden.  Die Inlands-Kaufkraft wurde vom europäischen Spardiktat praktisch eliminiert, und auch in den kommenden Jahren besteht kaum eine Chance, dass dieser Immobilienberg von spanischen Interessenten abgebaut werden könnte.  Also – so die logische Denkfolge in den Büros der Bauträger – bleiben nur Ausländer, wenn wir weiterhin Geschäfte machen wollen.  Aufbauend auf dieser simplen Idee, wurde ein Tross von Anwälten in Marsch gesetzt, der ein Konzept ausarbeitete, das dann der Regierung präsentiert wurde.

Und siehe da, Staatssekretär Jaime García Legaz hatte offene Ohren für die Idee und versuchte gar nicht erst zu verheimlichen, woher sie stammte:  „Wir reden gerade mit den Sektoren der Bauwirtschaft, um zu sehen, wie man es erreicht, Investoren nach Spanien zu locken. Die Bauträger-Vereinigung hat uns eine Petition eingereicht, um den Verkauf von Immobilien an Ausländer zu fördern. Das wird gerade untersucht.  Wir suchen eine Lösung, die keine Änderung des Ausländergesetzes beinhalten soll, aber die Abwicklung beschleunigt und direkte Investitionen ermöglichen soll. Es geht nicht um Geld für Arbeitsgenehmigungen, auch nicht um Zugang zum Gesundheitssystem. Es geht um eine nicht gewinnbringende temporäre Genehmigung.“

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Oder im Klartext: Es geht um Papiere für Reiche, mit dem eingebauten Feature, Schwarzgeld elegant waschen zu können – egal, was der Señor Staatssekretär dazu öffentlich erklärt.  Und natürlich geht es um das durch die Regierung übernommene Geschäftsmodell der Bauträger-Lobby, als könnten darüber irgendwelche Zweifel bestehen?!  Vor allem in Katalonien, Andalusien und in der Comunidad Valencia, wo zusammen 400.000 unverkaufteWohnungen langsam vor sich hin gammeln, sollen Aufenthaltsgenehmigungen für Wohlhabende verteilt werden.

Dabei setzt man besonders auf die Russen, die erstmals in diesem Jahr über eine Million Touristen an spanische Strände schicken werden. In Russland gibt es eine immer breiter werdende obere Mittelschicht, die weder ihrer Regierung noch den Banken traut und am liebsten ein sicheres Standbein im Westen hätte, „weil man nie weiss, was passieren kann …“.   Nicht viel anders ist es mit den Chinesen, wenn auch die Zahl an zu erwartenden Immobilien-Käufern im Vergleich zu den Russen vermutlich wesentlich geringer wäre.

Spaniens Aussenminister, José Manuel García-Margallo, schnappte die Idee des Kollegen auf und liess in einem Gespräch mit Unternehmern erstmals eine Zahl fallen. Wer für mindestens 160.000 Euro eine Wohnung kauft, der spanische Durchschnittspreis, so der Minister, könne durchaus den Anspruch auf eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.  Daraufhin erfolgte ein Proteststurm von vielen Seiten, weil „hier Rechte für Geld verkauft werden sollen“ und die Regierung wundert sich aktuell über den Aufstand, den dieses Thema in der Öffentlichkeit verursacht hat.

Wir wundern uns gleichzeitig darüber,
dass sich die Regierung darüber wundert. Aber warten wir erstmal ab, ob dieses Projekt aus dem Projektstatus herauskommt und wenn ja, ob überhaupt nennenswerte internationale Nachfrage nach „Papieren für Wohlhabende“ besteht.

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15 Kommentare zu “Papiere für Reiche: Aufenthaltsgenehmigungen zu verkaufen

  1. Diese Klientel braucht diesen „Bonus“ nicht. Die bekommen ihre Aufenthaltsgenehmigung sowieso oder brauchen sie nicht, weil sie eh nicht die Absicht haben, sich in Spanien niederzulassen…

    • Uhupardo sagt:

      So ist es vermutlich. Deswegen halten wir das auch für einen Sturm im Wasserglas, zeigt aber die generelle Einstellung und Weltanschauung …

      • Don Furioso sagt:

        @ Uhupardo und Solveigh: Vielleich ist es nur ein Sturm im Wasserglas, vielleicht auch nicht, das kommt darauf an, was woanders auf der Welt geschieht (Revolutionen, Staatsstreiche etc). Aus der Sicht von solchen, die ihren Reichtum durch kriminelle Machenschaften erworben haben, ist ist ein zweites oder drittes Standbein im Westen eine Versicherung, die womöglich eingefordert wird. Dann steht z.B. Spanien vor der traurigen Tatsache, dass es hart arbeitende Menschen aus Lateinamerika rausgeekelt hat, und nun auf einer gestrandeten, völlig unproduktiven ehem. Oberschicht sitzenbleibt. Alles kurzfristiges Denken. Man sollte genau hinschauen, ob es woanders funktioniert hat.

    • Dr.Arda sagt:

      Fragt sich nur, was will man in Spanien ??

  2. almabu sagt:

    Schon beim Bau dieser Geisterstädte spielte Geldwäsche eine Rolle. Jetzt könnte eine ähnlich motivierte Klientel erneut Schwarzgeld in Immobilien anlegen und dazu eine Aufenthaltsgenehmigung als Bonus erhalten, die ihnen nebenbei Reisefreiheit in Europa beschert!

    • Uhupardo sagt:

      Correcto, die Frage ist nur, ob es wirklich nennenswerte Nachfrage gäbe. Kaum, oder?

      • almabu sagt:

        Keine Ahnung! Es ist aber auf jeden Fall viel mehr Schwarzgeld unterwegs, als wir Laien uns vorstellen können. Ausserdem könnte man so auch illegalen Sweat-Shops, in denen zwanzig Asiaten für einen Hungerlohn Klamotten schneidern, mittels legalem Strohmann einen korrekten Anstrich geben. Da gäbe es viele denkbare Varianten, die aber zur Zeit rein spekulativ sind…

  3. fischi sagt:

    Irgendwie lächerlich eure Bonzen.
    Bei dem Angebot werden die Investoren bestimmt Schlange stehen.
    Wer außer Spitzbuben wird denn in dieser Zeit in Spanien 160000 Euro in für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus investieren?
    Und warum gerade den Russen?
    Hält man die für dämlich?
    Die mögen zwar als Urlauber ihre eigenen Vorstellungen haben, aber was Geld und Gegenwert ist wissen die auch.

  4. Roland S. sagt:

    Diese Lösung macht für mich Sinn. Wenn man schon so viele Häuser baut, muss man auch den Zugang vereinfachen. Ich kenne das Problem von Thailand, wo sie auch wie die Blöden bauen, gleichzeit aber immer neue Hürden für die Niederlassung erfinden. Das nenne ich Dummheit.

    • Die bauen so viel weil das dort die einfachste Art der Geldwäsche ist. Die Hürden sind da weil die Thais Angst vor den Ausländern haben und wissen das diese ihnen oft geistig überlegen sind. Damit meine ich die Chinesen. Sieh Dir das Parlament in Thailand an. Das sind chinesische Gesichter die dominieren. Von daher ist das verhalten der Thais ein verständlicher Selbstschutz. Beim nächsten Mal flieg über Kuala Lumpur nach Thailand and sieh Dir den Unterschied dort an im Vergleich zu Thailand. In Malaysia gibt die Bank Dir 80-90% Kredit auf Dein Haus als Ausländer! Das zeigt wie man dort vertraut. (Nur mal zum nachdenken)

  5. Finde ich nicht blöd, die Idee. Wird sicher einige Einwanderer mit ein bisschen Eigenkapital dazu verführen. Die „großen“ wird es nicht anlocken, eher Rentner und „unbedarfte Gründer“ – aber warum nicht. Für ein Land ist 1 neuer Einwohner mit ein paar liquiden Mitteln sicher nützlicher als 1000 neue Analphabeten aus dem anatolischen Hinterland.

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